Zug fahren ist schön. Nirgends kommen mir so gute Gedanken wie im Zug. Einer davon ist, dass Regionalbahn fahren produktiver ist als mit dem ICE verkehren. Die Ortschilder entziffern und die Landschaften begutachten zu können, ohne dass einem schlecht wird, ist der kreativen Idee anscheinend förderlich. Selbst das lautstarke Brummen, welches das Gefährt verströmt und nur von gelegentlichen sächsisch-bayrischen Botschaften des Schaffners in seiner Harmonie übertroffen wird, wirkt eher meditativ als herausfordernd. Alles in allem also eine hoch fruchtbare Stimmung in so einer Regionalbahn. Heute wurde dieser allerdings durch eine Schar deutsch-polnisch -bayrischer Kinder entgegengewirkt, welche noch über das seltene Talent verfügen, sich länger als zwei Stunden mit einer einzigen Sache beschäftigen zu können: Dem Singen von O Tannenbaum. Meine Oma wäre entzückt gewesen. Da dies mich jedoch in meinem geistreichen Kreislauf unterbrach, reizten sie mich mit ihren Melodien leider nur zu einem unsozialen Wutausbruch, bei dem ich beinahe aufgesprungen wäre um zu schreien: Wenn ihr schon schief singt, dann doch wenigstens den richtigen Text! Es heißt Du grünst nicht nur zur Sommerzeit. Nein, auch im Winter, wenn es schneit! Und nicht: Du grünst nicht nur zur Sommerszeit, sondern auch wenn es schneit… Präzision beim Provozieren! Wichtige Lektion fürs Leben.

Januar 7, 2010

Tanzbären, Holzfußengel, ungläubige Kirchensänger, Schneeflocken, Zwerge…Sie alle treffen sich alljährlich in einem verschneiten Tal mitten im Land. Berechnen Glück, Plätzchen, Geschenkeberge, Tee…teilen…wachsen…und ziehn wieder fort. Bis zum nächsten Jahr, dann auch wieder dort.

Dezember 22, 2009

Meistens bewege ich mich in einem dichten Nebel aus Buchstaben durchs Leben. Kämpfe mich durch Wörter, die ich einmal gelesen habe, oder glaube, sie gelesen zu haben oder nur gedacht habe, aber gern lesen würde und verirre mich in Geschichten, in denen ich immerzu teilnehmen will, doch fortwährend fremd bleibe und mich suche, weil alles nur trüb ist, zu trüb um noch ein wenig Farbe und Sinn zu erkennen…

November 30, 2009

Anscheinend habe ich einen Zustand erreicht, in dem ich blind genug bin, zu hören wenn das Glas voll ist, zu schmecken, wenn Nebel zu Regen wird und zu ahnen, wenn das Leben mir einnehmend ins Gesicht lacht…

November 15, 2009

Am Ende sind wir dann doch alle nur kontrollsüchtige Narren, schwimmend in einer orangen Plastikbadewanne voll von klebrigem Konfetti…

November 13, 2009

Nun, da ich gesehen habe, wie nah Freude und Taumeln, Glück und Wunsch, Sinn und Krise und Leben und Tod beieinander liegen, scheint mir ein endloses, friedliches Starren an eine Wand so weiß wie der Schnee, in dem wir einst tanzten, nur noch halb so fern wie die Welt, in der ich derzeit umher stolpere…

November 4, 2009

Doch wohin gehen wir, wenn nicht nach drüben? Wer trägt ihn fort, all den Sinn? Nehmen die Vergangenen ihn mit nach oben? Doch wo ist oben, wo ist Rom? Wer wartet auf mich, wenn ich einst nicht mehr träume? Verirr ich mich nicht in all dem Sein? Warten dort oben nicht so viele Seelen? Warten wir alle? Oder sind wir allein?

Oktober 19, 2009

Weicher Regen benetzt mein Haar, ständiger Begleiter, doch niemals laut, niemals ganz. Auf dem wehmütigen Weg zurück zum Konsens aller Gedanken, spielen Kinder, keine Modepuppen. Sie singen die Lieder ferner Melodien, lachen die Zukunft, das Leben. Herzen weinen, tanzen, kennen den Text. Kennen den Inhalt aller Bücher der Welt, schreiben Rezensionen in allen Sprachen, taumeln vom Gewicht der Gläser vor ihren Augen. Doch sehen sie den Glanz des Mondes, säuseln in seinen Nuancen, fangen seine Strahlen ein in dampfenden Tassen. Ich trinke daraus, trinke das Wissen des Universums, doch bleibe mir fremd. Fremde sind überall und vor allem dort. Doch dort schlägt jetzt mein Herz, sucht nach dem Text, geschrieben in Großbuchstaben, längst verwaschen vom harten Regen der Realität. Wunschlose Worte lallt der einsamste Mann in Schweden, redet vom Glück der Schneeflocken, singt vom Taxifahrer auf der Milchstraße des Lebens, von Straßen, nur beleuchtet, sieht keiner dort hin. Doch tanzende Kinder hören seine Reden, sehen die Hoffnung, sein tropfnasses Haar…

Oktober 16, 2009

Der Dämmerung verklungener Schläge, führen zurück, in die Welt, in das Sein. Klopfen Wege in den Nebel, lichten lautlos Trug und Schein. Doch der Regen bleibt der Selbe, der dich wach hält, ermattet, erfriert. Wo ist das Licht? – der Morgen geblieben? Welcher die Schlaufen der Zeit verziert?

Oktober 12, 2009

„Ich aber“, sagte das Eichhorn, „liebe die Gefahr und könnte mir keinen Tag mehr ohne Abenteuer vorstellen.“ „Ist das so?“, zweifelte der Löwe, musterte das unscheinbare Geschöpf zu seinen Füßen und blies ihm schnaubend seinen übel riechenden Atem ins Gesicht. Das Eichhorn taumelte erschauernd einen Schritt zurück und Angstschweiß lief ihm kalt an den Nackenhärchen hinab. Doch dann lächelte es einnehmend, zwinkerte dem Löwen zu und lief flink zwischen dessen Beinen hindurch dem nächsten Ast und Abenteuer entgegen.

Oktober 5, 2009